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Montag, 5. März 2018

Zwiebel auf Wolle/Seide

Der Klassiker: Eine Färbung mit Zwiebeln. Die kennen schon recht viele von der Ostereierfärbung. Heute habe ich ein wunderbar weiches Lace-Garn von Drops: 75% Alpaka, 25% Seide. Das soll mit Zwiebeln in ein Sonnengelb gefärbt werden. Ich bin sehr gespannt, ob der Plan so aufgeht.

Zuerst wurde es über Nacht gebeizt: 10% Alaun zum Gewicht des Materials. Das machte 5g auf 50g Material. Diesmal habe ich es mit einer Kaltbeize probiert: Das Wolle/Seidegemisch lag über Nacht in der kalten Beize. Ob das so funktioniert hat, werde ich sehen.

Ich habe 100g raschlig, trockene Zwiebelschalen mit Leitungswasser aufgegossen und auf 60°C erhitzt, Temperatur gehalten, wieder auf 60°C erhitzt und über Nacht abkühlen lassen. Je heißer, je brauner wird das Ergebnis. Heute habe ich dann die Schalen ausgesiebt, damit sie nicht in den Fasern des Färbeguts hängen.

Jetzt steht der Topf grade auf dem Herd und köchelt.

In der Zwischenzeit: Vor einigen Monaten bat mich eine spinnende Freundin (ja, auf die eine und auf die andere weise spinnend) ihr zwei kleine Stränge Wollfasern zu färben. Dafür gab sie mir schon mal gesammelte braune und rote Zwiebeln. Das waren die Ergebnisse:

Die braune Zwiebel ergibt ein gelb bis braun, je nach Temperatur, die beim Färben erreicht wird. Das gewünschte Ergebnis war ein bräunliches Gelb, nicht so strahlend. Mission accomplished.
Die rote Zwiebel hat meines Wissens den selben Farbstoff wie die Blutbuche: Der Sud wird rötlich, schon fast ins violette umschlagend. Das Färbeergebnis ist aber ein Moosgrün.


Hier ist es nun, das Ergebnis:
 Und damit habe ich genau den Fehler gemacht, vor dem ich am Anfang warnte: ich war nicht ergebnisoffen. Ich wollte ein Sonnengelb. Das Ergebnis ist ein warmes senfgelb mit deutlichem Stich ins braun. Ein schöner Ton, der sicherlich gut mit grün zu kombinieren ist. Aber eben kein Sonnengelb. Wegen des Seideanteils hat das Material einen tollen Schimmer.
Ich werde noch zwei weitere Knäule in diesem Farbbad färben und irgendwann ein Tuch in Rautenköper, kombiniert mit Grün, weben. Wenn ich ganz wild drauf bin, sammle ich dafür die nächsten drei Jahre rote Zwiebelschale.

Montag, 1. Mai 2017

Blutbuche auf Wolle

Ich bin verliebt. Enorm verliebt.

Wenn man mit Pflanzen färbt, bekommt man einen anderen Blick für die Welt um sich herum. Beim Spazieren gehen schaue ich mich ganz anders um und selbst im eigenen Garten entdecke ich neue Pflanzen.

Die Blutbuche ist dabei recht groß und trotzdem hatte ich sie davor nie wahrgenommen. Gestern habe ich also das erste Mal Blätter gepflückt und mich an eine Färbung gemacht.

100g vorgebeizte Wolle (Alaun)
100g Blutbuche (Blätter)

Die Blätter habe ich grob klein geschnitten und in Wasser erhitzt. Etwa eine Stunde habe ich die Temperatur auf 70°C gehalten. Über Nacht blieb der Sud stehen. Am nächsten Vormittag habe ich die Blätter abgeschöpft. Der Sud hat ein Dunkelrot, während die vorher dunkelroten Blätter nun grün waren.

In diesem Sud habe ich gewaschene und mit Alaun gebeizte Rohwolle gegeben. Dann habe ich wieder Hitze zugeführt und das Ganze wiederum auf 70-80°C eine Stunde vor sich hin simmern lassen. Die äußeren Spitzen verfärbten sich recht schnell grünlich.

Nach der Stunde holte ich einen Teil der Wolle aus dem Topf und lasse ihn gerade auf der Terrasse trocknen. Der Rest kühlt im Sud ab.

Die Farbe ist ein wunderbar warmes lindgrün, das sich weder bei Sonne noch mit Wolken auf Foto ablichten lässt. Das Foto wird dem leider überhaupt nicht gerecht. Probiert es einfach aus! Es ist so einfach und das Ergebnis unfassbar schön.

erster Versuch... zu grau..
es ist zum heulen!

zweiter Versuch... funktioniert auch nicht..


Ein kleiner Nachtrag: In einem Forum habe ich gelesen, dass die Färbung erst mit Zugabe von Soda ans Regenwasser bzw. direkt mit kalkhaltigem Leitungswasser dieses lindgrün bekommt. Wir haben hier sehr kalkhaltiges Leitungswasser. Darauf führte ich das Grün erst zurück. In besagtem Forum liest man, dass die Färbung mit Regenwasser ein dunkelrotbraun ergeben soll.
Der Versuch mit Regenwasser ergab aber wieder das Lindgrün. Da gab es keinen Unterschied.

Edit 4.3.2018
Die im letzten Jahr mit Blutbuche gefärbte Wolle ist jetzt fertig versponnen und verzwirnt. Was ich färbe ist selten besonders hochwertige Wolle, da ich in erster Linie rumprobieren möchte. Daher sieht sie auf dem Bild nicht nur zotig aus, sie ist es auch. Und wieder ist da dieses Problem mit der nicht auf Foto einfangbaren Farbe.