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Montag, 1. Mai 2017

Blutbuche auf Wolle

Ich bin verliebt. Enorm verliebt.

Wenn man mit Pflanzen färbt, bekommt man einen anderen Blick für die Welt um sich herum. Beim Spazieren gehen schaue ich mich ganz anders um und selbst im eigenen Garten entdecke ich neue Pflanzen.

Die Blutbuche ist dabei recht groß und trotzdem hatte ich sie davor nie wahrgenommen. Gestern habe ich also das erste Mal Blätter gepflückt und mich an eine Färbung gemacht.

100g vorgebeizte Wolle (Alaun)
100g Blutbuche (Blätter)

Die Blätter habe ich grob klein geschnitten und in Wasser erhitzt. Etwa eine Stunde habe ich die Temperatur auf 70°C gehalten. Über Nacht blieb der Sud stehen. Am nächsten Vormittag habe ich die Blätter abgeschöpft. Der Sud hat ein Dunkelrot, während die vorher dunkelroten Blätter nun grün waren.

In diesem Sud habe ich gewaschene und mit Alaun gebeizte Rohwolle gegeben. Dann habe ich wieder Hitze zugeführt und das Ganze wiederum auf 70-80°C eine Stunde vor sich hin simmern lassen. Die äußeren Spitzen verfärbten sich recht schnell grünlich.

Nach der Stunde holte ich einen Teil der Wolle aus dem Topf und lasse ihn gerade auf der Terrasse trocknen. Der Rest kühlt im Sud ab.

Die Farbe ist ein wunderbar warmes lindgrün, das sich weder bei Sonne noch mit Wolken auf Foto ablichten lässt. Das Foto wird dem leider überhaupt nicht gerecht. Probiert es einfach aus! Es ist so einfach und das Ergebnis unfassbar schön.

erster Versuch... zu grau..
es ist zum heulen!

zweiter Versuch... funktioniert auch nicht..


Ein kleiner Nachtrag: In einem Forum habe ich gelesen, dass die Färbung erst mit Zugabe von Soda ans Regenwasser bzw. direkt mit kalkhaltigem Leitungswasser dieses lindgrün bekommt. Wir haben hier sehr kalkhaltiges Leitungswasser. Darauf führte ich das Grün erst zurück. In besagtem Forum liest man, dass die Färbung mit Regenwasser ein dunkelrotbraun ergeben soll.
Der Versuch mit Regenwasser ergab aber wieder das Lindgrün. Da gab es keinen Unterschied.

Edit 4.3.2018
Die im letzten Jahr mit Blutbuche gefärbte Wolle ist jetzt fertig versponnen und verzwirnt. Was ich färbe ist selten besonders hochwertige Wolle, da ich in erster Linie rumprobieren möchte. Daher sieht sie auf dem Bild nicht nur zotig aus, sie ist es auch. Und wieder ist da dieses Problem mit der nicht auf Foto einfangbaren Farbe.






Freitag, 17. März 2017

Kurkuma auf Wolle

Kurkuma. Das ist das Zeug, das dem Curry die gelbe Farbe gibt. Wieso also nicht damit einen Farbversuch machen? Okay, ich habe nachgelesen vorher und wusste in etwa, was mich erwarten wird.

Da es im Februar draußen noch nicht so arg viele Pflanzen gibt, die sich als Färbedroge anbieten würden, habe ich erst mal auf fertige Dinge wie eben Annatto und Kurkuma zurückgegriffen. Wer schnell ein hübsches, einfaches Ergebnis haben möchte, der ist mit beidem gut bedient.

100g Kurkuma gabs im Asialaden für 1,49€

Zur Praxis:

15g Alaun
50g Wolle
ein...äh... Schwups Kurkuma

Diesmal habe ich nicht erst gebeizt, dann gefärbt sondern beide Schritte gleichzeitig gemacht.

Bei diesem Versuch hatte ich auch einen verdrehten Strang Wolle und habe so die recht zweifelhafte Erfahrung gemacht, dass eng aneinander liegende Wollfäden die Farbe nicht so gut aufnehmen. Das hätte ich mir ja eigentlich auch denken können, möchte man meinen. Also lieber locker lassen, so dass die Wolle floaten kann.

Ich habe also das Alaun in kaltem Wasser aufgelöst, den Schwups Kurkuma (ich habe nicht abgemessen) reingetan und dann die Wolle versenkt. Das wurde langsam erhitzt bis es siedete und dann die Temperatur Achtung zwei Stunden gehalten. Das habe ich nachgelesen: Man macht das, wenn man gleichzeitig beizt und färbt. Dann langsam abkühlen lassen.

Beim Auswaschen habe ich festgestellt, dass ich nie und nimmer alle Krümel aus dieser Faser bekomme. Die Wolle rieselt auch in trockenem Zustand noch hier und da. Das nächste Mal würde ich also eher ein Säckchen für die pulverförmige Färbedroge nehmen, dass es mir nicht zwischen den Fasern hängen bleibt.

Das Ergebnis der Aktion war ein blasses senfgelb. Neben dem kräftigen Knallorange der Annattosamen, wirkt das hier fast schon ein wenig schüchtern. 
Das sind die drei Gelbtöne von brauner Zwiebel (der lose Strang), oben auf Kurkuma und unten drunter Annatto.

Annatto auf Wolle



So sah es am Ende aus. Mein erster Versuch mit natürlichen Farben.

Zugegebenermaßen: Annatto ist nun nicht der erste Farbstoff, an den man bei natürlichen Farben so denkt. Andere fangen mit Zwiebelschalen an. Ich war aber zufällig auf der Jagd nach Kurkuma im Asialaden über die Annattosamen gestolpert und habe sie daher als erstes Projekt ausprobiert.

Gekostet haben sie 2,99€ für 100g und waren relativ ergiebig. Komplett ausgenutzt habe ich den Farbsud wohl auch nicht.

So bin ich vorgegangen:

15g Alaun
60g Annattosamen
50g reine Wolle
Aluminiumtopf

1. Wolle will vorgebeizt sein. Das öffnet wohl die Fasern, damit sie den Farbstoff aufnehmen können. Ich habe dafür 15g Alaun in Wasser aufgelöst und die Wolle im lockeren Strang (locker ist wichtig für ein gleichmäßiges Ergebnis!) in der Lösung langsam (!! sonst verfilzt die Wolle) aufkochen lassen. Etwa eine Stunde habe ich sie am Siedepunkt gehalten und dann die Wärme abgestellt um sie ebenso langsam wieder abkühlen zu lassen.Das ist der Beizvorgang.

2. An einigen Stellen steht, dass man Annattosamen eine Nacht in Wasser vorquellen lassen soll. Dann soll man sie zerstampfen und damit den Färbesud ansetzen. Ich wollte schnell Ergebnisse und konnte es nicht erwarten anzufangen. Also habe ich mir das einlegen gespart und die Samen direkt etwa eine Stunde aufgekocht. Mit der Zeit wurden sie weich, so dass ich sie im Mörser zerstampfen konnte. Hätte ichs mal nicht getan. Keine Ahnung, ob der rote Schmier aus dem Mörser jemals wieder raus geht. Das Wasser wurde schon merklich gelb/orange. Diesen Sud habe ich wieder abkühlen lassen, da Wolle ja keine großen Temperatursprünge mag.

3. Der Farbsud war wieder kühl, also habe ich die gebeizte Wolle reingetan. Wieder das selbe Spiel: Laaaaangsam erwärmen bis zum Siedepunkt. Temperatur für etwa eine Stunde halten. Laaaaangsam wieder abkühlen lassen.

4. Ausspülen. Trocknen lassen.

Mein Ergebnis war umwerfend: Ein wunderschönes tiefes Orangegelb.

Weil ich neugierig war habe ich noch 3m sehr dünne Baumwolle in den ausgelutschten Farbsud gelegt und aufkochen lassen. Das habe ich dann noch über Nacht stehen lassen. Das Ergebnis seht ihr unter dem Wollstrang: Die Baumwolle hat ein zartes Apricot angenommen. Ist ganz okay, aber kein Highlight.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Annattofärbung nicht lichtecht sei, dass es also mit der Zeit verbleicht. Ich werde das beobachten und berichten. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass der Farbton schon vier Wochen später von dem tiefen orangegelb zu einem senfgelb geworden ist.